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Marokko : Essaouira -Marrakesch 2016

„Ich würde sagen, dass Marokko einer Zimmerflucht gleicht, deren Türen sich öffnen, wenn man durch sie hindurchgeht… Jede Tür eröffnet einen anderen Ausblick: auf einen Raum, ein Gesicht, eine Stimme, ein Geheimnis.“

Tahar Ben Jelloun

Nach unserer ersten Reise nach Marokko 2014 wollten wir baldmöglichst wieder für ein paar Tage des unvergleichliche Flair dieses Landes genießen.

Im Mai 2016 bot sich dazu die Gelegenheit:

Ganz bewusst entschieden wir uns auch diesmal, die zwei Städte -Marrakesch und Essaouira- nochmals zu besuchen.

Durch einen Flug zeitig morgens planten wir gleich nach unserer Ankunft in Marrakesch nach Essaouira weiter zu reisen. Ärgerlich wenn man, selbst übernächtig nach einer Feier, pünktlich wie alle anderen Passagiere auf das Boarden wartet und dann hören muss, dass der Flug verspätet ist, weil ein Crewmitglied verschlafen hat.

Wir waren froh, in der fußfreien Reihe den versäumten Schlaf bequem nachholen zu können, ehe wir mit 11/2 stündiger Verspätung in Marrakesch landeten. Durch die langwierigen Einreiseformalitäten verloren wir noch eine weitere Stunde. Unsere Befürchtung bewahrheitete sich, unser Fahrer war nicht zur Stelle. Ewiges Herumtelefonieren, bis der im Auto schlafende Fahrer ( wir konnten ihm deshalb nicht mal böse sein) endlich kam. In schneller Fahrt ging es dann wieder die knapp 200 km auf schnurgerader Straße nach Essaouira an der Atlantikküste. ( Geografische und historische Details zu Essaouira in unserem Reisebericht 2014)

Wir hatten uns diesmal mit dem Riad Fontaine Bleue ein Quartier ausgesucht, das direkt am Meer liegt. Da die Altstadt komplett autofrei ist, wurden wir an der Stadtmauer abgeholt, das Gepäck auf einen Karren verfrachtet und zu unserem Quartier gebracht. Bei der Ankunft wurde uns auch klar, warum unser Haus seinen Namen trägt: unmittelbar daneben gibt es eine der vielen über die Stadt verteilten Wasserstellen mit blauem Mosaik: die blaue Quelle. Ein Riad (arabisch= Garten) ist ein Wohnhaus mit einem Innenhof oder Garten. In Marokko werden Riads gerne zu kleinen und zumeist recht feinen Hotels umgebaut. Von außen sehr unscheinbar betritt man eine eigene, für uns sehr fremdländisch wirkende Welt.

Von unserem gebuchten Zimmer Bahia - im obersten Stockwerk - hatten wir nicht nur einen herrlichen 360 Grad Rundumblick , sowohl zum Meer als auch in die Altstadt, sondern die Sonnenterrasse auch direkt vor unserer Zimmertüre. Klein aber fein!

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Die Stadt, in der scheinbar die Zeit für etliche Jahrhunderte stehen geblieben ist, faszinierte uns wieder aufs Neue.

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Wir kannten natürlich schon einige nette Plätzchen- und waren überrascht, wie sich der Tourismus in den letzten zwei Jahren weiter entwickelt hatte. Etliche der renovierungsbedürftigen Häuser waren zu Unterkünften umgebaut worden und auch einige neue, sehr stylische Lokale waren neu eröffnet worden.

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Das ehemalige Judenviertel, an der Stadtmauer Richtung Meer wurde gerade generalsaniert.

Schade, dass diesmal die Kaimauer nicht zugänglich war, auch sie wurde renoviert. Trotzdem erlebten wir traumhaft schöne Sonnenuntergänge.

Das quirlige Leben am Hafen konnten wir hingegen wieder genießen, den Fischern bei ihrer Arbeit zusehen und herrlich Fisch und andere Meerestiere in den Hafenbeiseln verkosten.

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Vor allem genossen wir die vielen hübschen Plätzchen im Fontaine

Bleue - es war windiger als im November - und wir wussten die geschützten Nischen und den Ausblick sehr zu schätzen.

Immer wieder faszinierend durch die Stadt zu streifen, die mittelalterliche Baustruktur, das orientalische Ambiente und die gewisse Morbidität dieser Stadt, die sie für uns so einzigartig macht, zu bewundern. Dazwischen blieb genügend Zeit sich den kulinarischen Highlights hinzugeben. Ob in der gediegenen Atmosphäre in unserem Hotel mit Feuer am offenen Kamin oder in einer der vielen Lokale, die Gastfreundschaft der Menschen hier ist großartig. Wir ließen uns mit raffiniertenTajines, Pastillas und anderen marokkanischen Köstlichkeiten verwöhnen.


Marokko ohne Hammam geht für uns nicht mehr! Was für ein Wohlgenuss ist es, sich von den arabischen Ritualen über Stunden verwöhnen zu lassen. Und hier gibt es sie noch, die ganz typischen Badehäuser! Die Hamamzeremonie zieht sich über Stunden: Reinigung, Dampfbad, Schaummassage, Peeling und Massage mit diesen, nur hier erhältliche Duftölen - anfangs vielleicht für uns Europäer viel Fremdartiges dabei - für uns Entspannung pur!


Nach diesen absolut relaxten Tagen in Essaouira ging es zurück nach Marrakesch.


Das Riad Ilyka im Herzen der Medina von Marrakesch war das Highlight dieser Reise. Tiefer kann man wohl in die Medina nicht eindringen. Bei der Ankunft wurden wir am Rand der Altstadt abgeholt und zum Riad gebracht Wir wussten ja schon von unserem letzten Aufenthalt, wie schwierig die Orientierung in den Souks ist. Immer enger wurden die Gassen, immer höher die Mauern, entrisch würde man bei uns sagen. Und dann, als wir uns dachten, wir sind in einem Labyrinth gefangen, standen wir vor einer unscheinbaren Tür. Und wenn diese aufgeht, dann kommst du in eine Welt, die orientalischer nicht sein könnte. Bilder sagen mehr als tausend Worte- willkommen in 1001 Nacht!


In dieser romantischen Atmosphäre wurden wir sehr verwöhnt, die Mahlzeiten waren sehr authentisch und schmackhaft. Von den Dachterrassen hatten wir einen phantastischem Blick über die Stadt, und auch hier gab es versteckte Plätzchen, wo wir es uns gut gehen lassen konnten.

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Marrakesch ist voller Sehenswürdigkeiten, die es gelten entdeckt zu werden. Die meisten besichtigten wir bereits 2014, den Bahia Palast wollten wir diesmal kennen lernen:

Der Palast, Ende des 18.Jahrhunderts im Auftrag des Großwesirs Si Moussa im maurisch-andalusischen Stil erbaut, besticht durch seine Weitläufigkeit. Palast und Garten nehmen eine Fläche von rund 8 Hektar ein, mehr als 150 Räume beherbergt der Palast. Diese sind zum Großteil unmöbliert, sodass die Architektur besonders zur Wirkung kommt: Fast in jedem Raum sind Fayencen, kunstvolle Fliesen aus Marmor, phantasievolle Mosaike und Arabesken aus Stuck zu sehen. Die Zimmerdecken wurden im maurischen Stil aus Zedernholz geschnitzt und mit vielen kleinen Details verziert. Die herrlich angelegten Innenhöfe mit ihren Bogengängen und üppig bepflanzten Gärten sind angenehm kühl und laden zum Rasten ein.

Am liebsten flanierten wir durch die Stadt, bestaunten die Arbeiten der Handwerker in den Souks und machten auf unseren bekannten Lieblingsplätzchen, wie dem Café d’Espices hoch über dem Gewürzmarkt eine Pause.

Wir deckten uns mit Gewürzen, Düften, Taschen und dem einmaligen Arganöl ein. Das eine oder andere Verkaufsgespräch dauerte länger, gehandelt wird immer und überall, und in jedem Fall wurde man freundlich verabschiedet. Die engen Gassen in den Souks verloren ihren Schrecken, auch wenn wir uns immer wieder verirrten, irgendwie findet man aus dem Labyrinth doch wieder heraus.

Abends erwacht Marrakesch erst richtig zum Leben. Nach herrlichen Sonnenuntergängen, die die Stadt in ein romantisches Licht hüllen, besuchten wir die Lokale auf den beliebten Dachterrassen oder den Djemaa el Fna, dem Mittelpunkt der Stadt. Keiner weiß so recht, wie lange es den riesigen Platz schon gibt , der zu jeder Zeit der Treffpunkt der Einwohner von Marrakesch war. Hier wurde gefeilscht und gehandelt, Ehen wurden hier mit Handschlag besiegelt, im Mittelalter war er der Platz der Henker, wer Hilfe benötigte oder einen Arzt brauchte, ging auf den Djemaa el-Fna und die Beduinen aus der Wüste kamen auf den geschäftigen Marktplatz, um Kamele zu kaufen und ihre mitgebrachten Waren zu verkaufen.

Obwohl der schier endlos große Platz 2011 von einem furchtbaren Terroranschlag heimgesucht wurde, heute ist er wieder der Platz der Händler und Gaukler, der Geschichtenerzähler und Schlangenbeschwörer und abends verwandelt er sich in das größte Freiluftrestaurant der Welt.

Wir kehrten zurück zu einem unserer Lieblingsplätze- dem Place des Ferblantiers- hier ist bis heute die Zunft der Lampenmacher beheimatet. Natürlich mussten wir wieder der Kosy Bar einen Besuch abstatten und gleich nebenan , ebenfalls bei herrlicher Abendstimmung, konnten wir gut zu Abend essen.

An schönen, klaren Tagen faszinierte uns immer der Blick Richtung Atlasgebirge. Deshalb wollten wir diesmal auch einen Ausflug dorthin unternehmen. Auf der Hinfahrt besuchten wir Andre Heller‘s ANIMA- Park.

So wird der Park auf der Homepage beschrieben: „Die drei Hektar große, opulente, botanische Inszenierung des Universalkünstlers André Heller ist ein magischer Ort der Sinnlichkeit, des Staunens, der Kontemplation, der Freude, der Heilung und der Inspiration. Für Menschen jeden Alters, die Unvergessliches erleben wollen.“

Da die Anlage bei unserem Besuch 2016 erst seit Kurzem eröffnet war, kannte sie noch niemand, weder unsere Hausdame noch unser Fahrer hatten bisher davon gehört und wir fanden sie auch nur mit Glück, da es (noch?) keine Hinweisschilder gab.

So waren wir auch fast die einzigen Gäste und genossen es den Zaubergarten auf eigene Faust zu durchstreifen. Eines ist klar, man kann einen botanischen Garten nicht aus der Erde stampfen, es braucht Jahre bis sich die Pflanzen so richtig entwickeln. Trotzdem überzeugte uns das Konzept und die Hingabe, mit der dort gearbeitet wird. Die Kunstwerke zwischen den Pflanzen sind alle absolute Hingucker. Vor allem aber die Kulisse des teilweise noch schneebedeckten Atlasgebirges im Hintergrund ist ein absolutes Highlight. Der Garten wird sicher in den nächsten Jahren wachsen und um Schaustücke weiter bereichert werden. In jedem Fall setzt sich der Künstler ein Denkmal, das noch viele Generationen erfreuen wird.


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Nun kamen wir den Bergen immer näher. Über 2.300 km erstreckt sich das gewaltige Gebirge insgesamt. Mit circa 4.100 Metern ist der Toubkal im Süden Marokkos der höchste Gipfel des Atlas. Die Bergwelt stellt eine Klimascheide da, nördlich davon herrscht ein eher feuchtes Klima, während südlich davon die trockenheiße Sahara liegt.

Unser Ziel waren die Asgaour Wasserfälle im grünen Ourkatal. Was für ein buntes Bild erwartete uns hier, bunte Stühle auf und im Flussbett. Wir starteten von einem netten Bergdorf und ein steiler Weg führte uns hinauf zu den Wasserfällen.

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Wir hatten den Weg zum Wasserfall etwas unterschätzt , besonders beim Abstieg waren meine Sandalen nicht das beste Schuhwerk, zumal die Steine sehr rutschig waren. Belohnt haben wir uns mit einem guten Essen am kühlen Fluss.

Der Ausflug ins Atlasgebirge hat uns neugierig gemacht. Eine Fahrt über den Atlas kommt auf unsere Reise „to-do Liste“.

Ein letztes Mal durch die Souks streifen, ein Besuch im Café Arabe und am Markt und schon heißt es Abschied nehmen von dieser faszinierenden Stadt.