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Kenia: Ein Besuch in der Harambee Schule

Braune Erde unter mir, soweit das Auge reicht, kaum Vegetation,kaum Population, der Weg führt uns über die riesigen Wüstengebiete Nordafrikas immer weiter in Richtung Süden. Und kurz nach der Überquerung des Äquators der Blick auf den Kilimandscharo. Und ich weiß, jetzt bin ich wieder hier in Kenia, diesem Land voller landschaftlicher und sozialer Gegensätze. Ich erkenne die wenigen Straßen und Flüsse, die sich aus dem Landesinneren zur Küste erstrecken. Wir nähern uns über Tsavo Ost, in dem ich schon zwei herrliche Safaris unternehmen durfte, immer mehr dem Meer und der roten kenianischen Erde.



Mein Mann und ich hatten uns erst wenige Wochen zuvor sehr spontan entschlossen, wieder nach Kenia zu reisen. Hauptgrund dafür war aber nicht wie für die Mehrzahl der Mitreisenden im vollen Flieger ein Erholungsurlaub am Indischen Ozean.


Wir wollten wieder ein bisschen mehr Einblick in das von Gabriela Vonwald ins Leben gerufene Hilfsprojekt "Harambee" erhalten, ihr so weit es uns möglich ist, zur Seite stehen und mein Mann wollte alle diese Eindrücke fotografisch festhalten.

Schon im Landeanflug auf Mombasa, vor allem aber bei der Fahrt Richtung Kilifi bemerkten wir sofort einen großen Unterschied zu unseren letzten Aufenthalten.

Diesmal ist die Landschaft grün. Durch die ungewöhnlich häufigen Regenfälle der letzten Monate zeigt die Vegetation, wozu sie unter den richtigen Bedingungen auch hier im Stande ist! Es grünt und blüht, die Tiere grasen auf grünen Wiesen und alles wirkt so rein gewaschen. Die Trockenzeit steht zwar jetzt bevor, trotzdem sind die Voraussetzungen für eine bessere Ernte als im letzten Jahr weitaus besser.

Im Kilifi Bay Resort werden wir herzlichst begrüßt und zu einem für uns ideal gelegenen Bungalow zwischen Pool und dem herrlichen Strand gebracht. Auch wenn die Anlage schon etwas "in die Jahre" gekommen ist, die Freundlichkeit des Personals, die uns rund um die Uhr verwöhnt, macht das alles wett.


Die ersten zwei Tage verbrachten wir sehr "touristisch". Da ich bei meinem letzten Aufenthalt kaum Zeit hatte, die Umgebung zu erkunden und mein Mann dieses Hotel noch gar nicht kannte, unternahmen wir lange Strandspaziergänge und akklimatisierten uns schnell. Und ich muss gestehen, bereits am 2.Tag wurde ich unrund, wollte raus zur Schule und den Familien, und wir wussten beide: ein reiner Erholungsurlaub nur mit Pool- und Sonnenliegen wäre für uns hier unvorstellbar!

Der erste Besuch in der Schule: Was für ein Hallo!

Das änderte sich aber sehr schnell, als Gabi eintraf, uns Richard Karani im Hotel besuchte und die ersten Unternehmungen festgelegt wurden. Zunächst der erste Besuch in der Schule : Was für ein Hallo, was für eine Freude und so viele Überraschungen!



Es ist einfach immer wieder ein ganz wunderbares Gefühl das erste Mal mit dem Tuktuk den rumpeligen Weg zur Schule hinaufzufahren. Gleich bei der Einfahrt die ersten (positiven) Veränderungen. Der Eingangsbereich rund um das Tor wurde neu gestaltet, nicht nur der Schulname, sondern auch das Schulmotto ( wie in Kenia üblich) prangen in frischgestrichenen Lettern an den Wänden. Links von der Einfahrt wurde ein Pförtnerhäuschen errichtet, um den diensthabenden Askaris Schutz vor der sengenden Hitze und Regen zu geben. Der Garten links und rechts der Auffahrt ist ergrünt und die angepflanzten Sträucher entwickeln sich prächtig. Wir werden vom Schuldirektor Ferdinand und dem Staff der Schule herzlichst empfangen, es ist als würde man altbekannte Freunde wiedersehen.



Die Führung durch die Gebäude zeigt erst, was hier seit meinem letzten Besuch im März alles geschehen ist: die Klassenzimmer im Erdgeschoss des Neubaus sind bezogen, ein neues (zweites) Toilettenhaus wird zügig gebaut. Die neuen Schaukeln und Wippen sind der Anziehungspunkt für die Kids in den Pausen und ich weiß nicht, ob die Fotos zeigen können, mit welcher Freude die Kinder Schaukel und Wippen in Besitz genommen haben!!!!



Statt der Rauchkuchl eine Hotelküche Und dann noch eine ganz besondere Überraschung für Gabi: mit geschlossenen Augen muss sie die Schulküche betreten, erst vor den neuen Kochkesseln in einem toll verfliesten Raum darf sie sehen, was hier vollbracht worden ist, die Küche, bis vor kurzem eher eine mittelalterlich anmutende Rauchkuchl hat nun den Standard einer hochwertigen Hotelküche!!! Bald kann hier professionell in den riesigen eingebauten Kochkesseln gewerkt werden und ein letztes Mal konnten wir die

Köchinnen im Freien am offenen Feuer sehen, so wie wir es von den Bildern aus der Anfangszeit kennen.



500 Kinder lernen in dieser Schule Viele, viele kleine Verbesserungen gibt es, Ferdinand und sein Staff immer bemüht, die Schule in jeder Richtung zu optimieren. Oft sind Karani und er bis spät abends in der Schule, um neue Erkenntnisse zu überdenken und in die Praxis

umzusetzen, und immer wieder muss man sich dabei vor Augen halten, wir sind in Kenia und nicht in Europa!

Mittlerweile sind es knapp 500 (!) Kinder, die die Schule besuchen, und zwar weiterhin mit viel Freude und Disziplin. Auch die neu eingestellten Lehrer wurden sichtlich mit großer Sorgfalt ausgesucht und die Kinder lieben sie.

Der neue Volontär, Bernhard, ein besonders sympathischer Bursch, hat sich schon in den ersten 2 Wochen sehr gut eingelebt und es fliegen im die Sympathien der Kinder zu. Vielleicht ist es die Anwesenheit der Volontäre, dass die Kinder mittlerweile jegliche Berüh-rungsängste zu uns Mzungus abgelegt haben Sie wirken viel offener, wir können mit ihnen scherzen und sie lieben es fotografiert zu werden und sich dann selbst auf den Fotos betrachten zu können.


Einen Teil dessen, was sie neben dem normalen Lernpensum noch erarbeiten, konnten sie uns während der großen Schulparty zeigen: traditionelle Tänze, ein cooler Rap oder afrikani-sche Lieder, es war eine tolle Vorführung , die noch durch Akrobaten und Taekwando Artisten ergänzt wurde. Danach dann Erfrischungen und Biskuits für die Kinder, die an diesem Tag nicht nur zeigten, wie diszipliniert sie sein können, sondern auch mal so richtig die "Sau" raus ließen.

Schöne Begegnungen mit den Familien

Oder die Familie, die mit Hilfe befreundeter Paten aus den Slums (oben) befreit werden konnten und nun im von Gabi geschaffenen Social Living Programm eine menschenwürdige Unterkunft erhalten haben. Mein Mann sah die Familie nach 11/2 Jahren wieder und konnte eine solche positive Veränderung feststellen. Die Mutter, die so verhärmt und in sich gekehrt war und jetzt zu einer richtigen "Lady" mutiert ist und die 3 Kinder, die sich so toll in der Schule eingelebt haben. Von ihren Paten erhielten sie diesmal 2 Ziegen, sozusagen Lebensmittel auf lange Zeit!Handlungsweisen, die für uns Europäer nur schwer nachzuvollziehen sind. Besonders beeindrucken uns natürlich immer Besuche bei Familien, die wir nun schon das dritte Mal besuchen, Schicksale, die wir miterleben durften und viele, viele ganz positive Entwicklungen: da ist die Familie, die bei meinem letzten Besuch nicht nur vor den Trümmern ihres Hauses stand.

Mit Hilfe der Paten konnten wir ein neues Haus aufbauen und es war für mich ein unvergesslicher Moment, als ich sehen durfte, was die Familie daraus gemacht hat.

Das Haus blitzsauber, davor ein wirklich hübsch angelegter Garten und der Versuch, am Grundstück Gemüse anzubauen. Wie

kann die Mutter der 7 Kinder glücklich lachen! Und der älteste Sohn, den wir voriges Jahr in der Secondary School unterbrachten, der leider auf Grund einer lebensbedrohlichen Meningitiserkrankung die Schule wieder abbrechen musste und nun ein 2 jähriges College zum Erlernen des Tischlerberufes macht. An dieser Stelle auch mein aufrichtiger Dank an Mr. Karani, der sich unermüdlich für solche "Spezialfälle" einsetzt neben seinem riesigen täglichen Arbeitspensum. Während unseres Aufenthaltes feierte er seinen 65. Geburtstag, ein Alter in dem in unseren Breiten die meisten Menschen ihren wohlverdienten Ruhestand genießen. Er meinte zu mir, die Arbeit würde ihn jung erhalten und das kann ich nur dan-kend bestätigen.


Oder die Familie, die mit Hilfe befreundeter Paten aus den Slums (oben) befreit werden konnten und nun im von Gabi geschaffenen Social Living Programm eine menschenwürdige Unterkunft erhalten haben. Mein Mann sah die Familie nach 11/2 Jahren wieder und konnte eine solche positive Veränderung feststellen. Die Mutter, die so verhärmt und in sich gekehrt war und jetzt zu einer richtigen "Lady" mutiert ist und die 3 Kinder, die sich so toll in der Schule eingelebt haben. Von ihren Paten erhielten sie diesmal 2 Ziegen, sozusagen Lebensmittel auf lange Zeit!




Unsere ersten 2 Patenkinder, die wir nun schon 2 Jahre lang begleiten dürfen, bekamen einen keinen Bruder. Mit etwas gemischten Gefühlen besuchten wir die Familie. Die bisher allein erziehende Mutter von 4 Kindern erzählte uns aber voller Stolz und Freude, dass ihr Mann zu ihr zurück gekehrt sei, sie nun bereits einen Grund gekauft hätten und darauf ein einfaches, aber neues Haus errichten wollen. Peace, (übersetzt :Frieden) der Name des süßen 2 Wochen alten Sohnes, lässt darauf hoffen, dass auch diese Familie wieder besseren Zeiten entgegensieht.




Winnie, unsere süße Kleine, treffen wir nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause, sie lebt, wie in Kenia oft üblich, bei ihren Großeltern. Mit einem kleinen Zuschuss konnten wir die Hütte (unten links Zustand vor einem Jahr) revitalisieren, die jetzt mit dem hübschen Vorgarten (rechts) sehr hübsch aussieht.




Winnie nahmen wir mit zum Einkaufen, ein hübsches Kleidchen und neue Schuhe machten sie zu einer süßen Prinzessin und sie war ganz in ihrem Element. Da wurde gesungen und getanzt und sie lernte eine Toilette im europäischen Stil kennen!



Mein Mann hatte vor ein paar Monaten die Patenschaft für Ndoro übernommen, der uns mit seinen tollen Briefen schon sehr neugierig gemacht hatte, Er besucht die Primary 4 und ist ein besonders guter Schüler. Er war von Anfang an sehr aufgeschlossen, nahm uns sofort in Beschlag und löcherte uns mit Fragen. Wir besuchten seine Hütte, er zeigte uns die wie einen Schatz gehüteten Fotos und Briefe und bekam für seine guten Schulerfolge eine Belohnung. Außerdem lassen wir das Makutidach des Hauses ausbessern, damit Ndoro im Trockenen schlafen kann.


Noch besser lernten wir ihn auf einem Ausflug nach Gedi, Watamu und Malindi kennen den wir gemeinsam mit Gabi und deren älteren Patenkindern unternahmen.

Kultur und Strand: ein ganz besonderer Ausflug

Mit einem angemieteten Matatu ging es die Küstenstraße nordwärts. Gedi-eine Ruinenstadt arabischen Ursprungs eingebettet in wunderschöne Vegitation weckte das Interesse der Kids, so richtig aus sich heraus gingen sie dann am Strand von Watamu, dem der bekannte Marinenationalpark vorgelagert ist.




Die Kinder schlugen Räder und Purzelbäume am Strand, rieben sich mit dem strahlend weißen Sand ein und genossen die Bootsfahrt hinaus zu den Korallenbänken , die von einer Vielzahl von Fischen umgeben waren -ich tauche zwar seit 10 Jahren nicht mehr, aber da kam wieder Sehnsucht auf, diese herrliche Unterwasserwelt zu bestaunen. Ndoro, dem wir vor einiger Zeit ein englisches Buch über die Tierwelt in Afrika geschickt hatten, zählte uns alle dort lebenden Tierarten auf, er muss dieses Buch aufgesogen haben! Dann gings zu einem" Mc Donald`s- African style" in Malindi, es gab Chicken und Chips, so reichlich, dass die Kinder noch jeder ein Säckchen voll fürs Abendessen mitnehmen konnten, es wäre undenkbar , auch nur irgendetwas Essbares zurück zu lassen . Das Essen für 11 Kinder und 7 Erwachsene kostete nicht mal 50 Euro ! Anschließend dann noch die Besichtigung des Strandes und des Vasco da Gama Denkmals in Malindi.



Nicht nur die Kids auch wir genossen diesen Ausflug!

Neben den vielen Besuchen bei den Familien am Samstag dann die Einladung zum Barbecue bei der Familie Karani. Ein tief gehendes Erlebnis mit einer kenianischen Großfamilie ei-nen Nachmittag verbringen zu dürfen.

Ich weiß nicht, ob Karani es wusste, oder ob es wieder eine dieser Fügungen war: wir besuchten in der Nachbarschaft eine Familie die erst vor kurzem einen herben Schicksalsschlag zu verkraften hatte. Endlich einmal eine funktionierende kenianische Familie, in der der Vater nun vor einigen Wochen starb. Die nun alleinstehende Mutter, die nun ihr Erbe gegen über den männlichen Verwandten verteidigen muss, hat 2 entzückende Kinder, beide sehr gescheit und bisher in einer öffentlichen Schule. Gabi übernahm sie nun in die Vonwald School und sie fielen mir bereits beim Schulfest auf, das Mädchen, damals noch mit langen Haaren, eine absolute Schönheit. Nun wollte es also der Zufall die Familie nochmals zu treffen und wir entschieden uns, sie als weitere Patenkinder zu übernehmen. Und ich bin mir sicher, dass Valerie und Brian die Chance einer überdurchschnittlichen Schulausbildung nutzen werden!


Die Zeit verging wie im Flug, mein Mann schoss tausende von Fotos, die wir nun zu Hause ordnen werden, ein neuer Vortrag ist in Vorbereitung, die von mir während des Aufenthaltes gekauften Kangas werden versteigert, um einen kleinen Beitrag zur Anschaffung der so dringend benötigten neuen Schulkleidung zu leisten. Die Schulkleidung inkl. Schuhe kostet zwar pro Kind nur 20 Euro, doch bei fast 500 Kindern ergibt das eine nicht unbeträchtliche Summe.

Es geht mit vielen Eindrücken und Erfahrungen zurück Am letzten Schultag war es für mich nochmals sehr stimmig, mit jedem, der mir hier ans Herz gewachsen ist, sei es unsere Patenkinder, die Lehrer und der Staff sowie Mr. Karani und Ferdinand ein paar ganz persönliche Worte zu wechseln und Abschied zu nehmen.

Ein letzter wunderschöner Sonnenaufgang zum Abschied und während ich diese Zeilen schreibe, fliegen wir wieder über die endlosen Weiten des afrikanischen Kontinents.

Der Umstand zu wissen, im September wieder vor Ort zu sein, hat es mir erleichtert wieder gerne nach Hause zu fahren, zu meinen lieben Kindern zu meiner Familie und in ein lebens-wertes Zuhause. All das noch mehr zu schätzen, weil ich weiß, dass es für einen Großteil der Menschen nicht selbstverständlich ist, Wasser und Strom in den eigenen vier Wänden zu haben, den Gehalt am Monatsletzten zu erhalten und soziale Leistungen gratis zu beanspruchen.

Danke Gabi, für die gemeinsamen Stunden, für die tollen Ein-blicke und für dein Engagement, du ermöglichst nicht nur den Menschen in Kilifi bessere Zukunftsperspektiven sondern gibst auch uns die Sicherheit ein Projekt zu unterstützen, bei dem jeder gespendete Cent ankommt!

In diesem Sinne : Harambee- lasst uns gemeinsam etwas tun!



PS: Nun ist der Reisebericht fertig illustriert und überarbeitet! In der Zwischenzeit konnte ich auch die Kangas versteigern, bin vom Erfolg überwältigt und möchte euch mitteilen, dass ich heute den Reinerlös von 705 Euro, das sind 35 (!) neue Schuluniformen an Harambee überwiesen habe. Danke allen Spendern!!!! So einfach ist es Gutes zu tun!!!!

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